Psychotherapie bedeutet wörtlich übersetzt „Behandlung der Seele“ und beschäftigt sich daher mit der Behandlung von seelischen Problemen bzw. von seelischen („psychischen“) Störungen, also Stö-rungen des Denkens, Fühlens, Erlebens und Handelns. Sind diese Beeinträchtigungen oder Störungen so ausgeprägt, dass sie zu einem erheblichen und anhaltenden Leidensdruck des Betroffenen führen, ist von einem Krankheitswert auszugehen.

Zu den psychotherapeutisch behandelbaren Erkrankungen zählen Depressionen und Ängste (Phobien, allgemeine Angst, Panikanfälle), Zwangserkrankungen, Essstörungen, Suchterkrankungen, Belastungs-reaktionen, Persönlichkeitsstörungen, dissoziative bzw. Konversionsstörungen und psychosomati-sche Erkrankungen. Auch schwerwiegende körperliche Erkrankungen wie Herzinfarkte oder Krebs erfordern nicht selten eine psychotherapeutische Begleitung.

Die Diagnose einer seelischen bzw. psychischen Erkrankung erfolgt auf Basis der Schilderungen des Patienten und den Beobachtungen des Therapeuten anhand festgelegter Kriterien eines medizini-schen Klassifikationssystems (International Statistical Classification of Diseases, aktuell ICD-10).

Neben einer entsprechenden Erkrankung bzw. Diagnose ist der Wunsch eines Patienten nach einer psychotherapeutischen Behandlung genauso eine Grundvoraussetzung für eine solche Therapie wie der Mut und die Bereitschaft, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und zu verändern. Die Patien-ten sollten sich darüber im Klaren sein, dass Psychotherapie in der Regel harte Arbeit bedeutet und belastend sein kann. Schließlich gibt es gewissermaßen gute innere Gründe, sich so und nicht anders z. B. zu verhalten, zu denken und zu fühlen. Aber: So, wie man ist, ist man eben krank geworden, daher ist es sinnvoll, etwas zu ändern. Natürlich können wir auch versuchen, krankmachende Umstände zu ändern, aber, abgesehen von besonderen Umständen, scheitern wir im Allgemeinen bei dem Versuch, unser Umfeld - und vor allem die anderen Menschen um uns herum - so zu ändern, dass es für uns passt. Daher ist es oftmals so wichtig, sich selbst ein Stück weit zu ändern, zu entwickeln. Die not-wendigen Veränderungen und Gesundung benötigen allerdings Zeit, da sie immer prozesshaft verlau-fen.

Was geschieht eigentlich bei einer psychotherapeutischen Behandlung?

Im Wesentlichen läuft eine psychotherapeutische Behandlung in 3 Phasen ab: Zunächst schildert der Patient seine Beschwerden wie beispielsweise bedrückte Stimmung und Niedergeschlagenheit, An-triebsarmut, Ängste und Phobien oder Zwangssymptome. Zudem wird sich der Psychotherapeut ein Bild über die soziale Situation (Familie, Job, Freunde, Hobbys etc.) machen und Sie etwa auch nach „Auslösern“ befragen, also nach eventuellen Situationen, in denen die Beschwerden bevorzugt oder besonders intensiv auftreten. In dieser ersten Phase wird auch die weitere Anamnese bzw. die Lebens-geschichte des Patienten besprochen, um ihn und die Hintergründe seiner persönlichen Entwicklung besser kennenzulernen. Hieraus lässt sich eine Hypothese ableiten, warum der Betroffene so tickt wie er tickt bzw. warum er eigentlich depressiv geworden ist, unter einer psychosomatischen Erkrankung, Phobien oder Zwängen leidet. So entwickeln manche Menschen nach Arbeitsplatzverlust eine anhal-tende Depression. Dann wäre es wichtig zu verstehen, welche vielleicht „wunde Stelle“ hier getroffen wurde, schließlich wird nicht jeder Mensch gewissermaßen automatisch behandlungsbedürftig de-pressiv, auch wenn ein Arbeitsplatzverlust ohne Zweifel meist sehr belastend ist.

Im zweiten Behandlungsabschnitt wird ggf. nochmals die Zielsetzung der Behandlung überprüft und es beginnt die eigentliche Behandlung, indem Sie sich mit Ihren Problemen, Ihrem Denken, Fühlen, Erleben und Handeln auseinandersetzen, Zusammenhänge und Bezüge zu Ihren lebensgeschichtlichen Entwicklungsbedingungen herstellen, sich selbst besser verstehen lernen und mittels neu gewonne-ner Erkenntnisse z. B. das Verhalten anderer Menschen anders als bisher interpretieren oder neue Ver-haltensmuster ausprobieren können. Die Behandlungsschwerpunkte, zum Teil auch die eingesetzten Behandlungsverfahren, unterscheiden sich in Abhängigkeit vom jeweiligen Krankheitsbild. Bei phobi-schen Erkrankungen wird oftmals ein verhaltenstherapeutischer Ansatz im Vordergrund stehen, denn ohne zu üben, sich den angstbesetzten Situationen auszusetzen, wird in den meisten Fällen kein aus-reichender Fortschritt eintreten. Im Idealfall trägt das einzusetzende Therapieverfahren auch den Bedürfnissen und Fähigkeiten des Patienten Rechnung. So profitieren manche Patienten deutlich mehr von einer tiefenpsychologisch fundierten Therapie, andere von Verhaltenstherapie, wieder an-dere von sogenannten systemischen Ansätzen, Gestalttherapie, Gesprächstherapie nach Rogers usw. Leider werden von den gesetzlichen Krankenversicherungen weiterhin ausschließlich Verhaltensthe-rapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Psychoanalyse genehmigt bzw. bezahlt.

Allerdings konnte in verschiedenen Studien immer wieder gezeigt werden, dass die entscheidende Erfolgsgröße der Behandlung nicht das angewandte Verfahren, sondern in der Regel die Qualität der Therapeut-Patienten-Beziehung darstellt.

In der letzten Behandlungsphase, Ihre Behandlungsziele wurden inzwischen insgesamt erreicht, heißt es nicht nur allmählich Abschied zu nehmen, sondern jetzt geht es auch darum, zu schauen, wie das Erreichte stabilisiert werden kann, sich zu überlegen, wie Sie Ihren Weg weitergehen und mit Belas-tungen klarkommen können - ohne therapeutische Unterstützung. Psychotherapie ist Hilfe zur Selbsthilfe. Auch nach einer Psychotherapie wird es neben guten auch schlechte Tage geben, das gilt für jeden Menschen. Aber es wird darauf ankommen, wie Sie auch mit den schlechteren Zeiten umge-hen und sich selbst helfen können.

Wann sollte ich eine Psychotherapie machen?

Immer dann, wenn Sie einen anhaltenden Leidensdruck verspüren, der über ein übliches Maß hinaus geht und z. B. depressive Verstimmungen, Ängste vor bestimmten Dingen oder Panikattacken oder Zwänge Sie zunehmend einschränken und Kraft kosten, alles schwer fällt, Sie keine Lebensfreude mehr spüren, dann sollten Sie versuchen, den Mut aufzubringen, sich Hilfe zu holen. Sprechen Sie vielleicht zunächst Ihren Hausarzt an und lassen Sie sich eine Überweisung für eine psychiatrische oder psycho-therapeutische Vorstellung geben um zu klären, mit welchen Maßnahmen Ihnen geholfen werden kann und ob etwa eine Psychotherapie angezeigt ist. Ggf. können Sie auch direkt einen Termin in einer psychiatrischen oder psychotherapeutischen Praxis vereinbaren. Natürlich können Sie sich auch gern bei mir telefonisch melden.