Was ist eigentlich eine Gruppenpsychotherapie?

An einer Gruppentherapie nehmen mehrere Patienten (Klienten) unter Moderation und Leitung des Therapeuten teil. Es gibt ganz unterschiedliche „Gruppen-Settings“, also ganz unterschiedliche Möglichkeiten, wie eine Gruppentherapie ablaufen kann, angefangen bei der Wahl des Verfahrens, der Zusammensetzung der Gruppe, der Vorgabe fester Themen etc.

Bei mir nehmen 6-10 Patienten an einer gruppentherapeutischen Sitzung teil. Die Sitzungen finden in der Regel wöchentlich statt und dauern jeweils 100 Minuten. Die Gruppe ist heterogen zusammenge-setzt, d. h. sie besteht aus Frauen und Männern unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen Erkrankungen. Themen werden nicht festgelegt, sondern ergeben sich in der Gruppe, z. B. weil ein Teilnehmer oder eine Teilnehmerin eine bestimmte Problematik einbringt. Das kann alles Mögliche sein, z. B. eine so erlebte Überforderung am Arbeitsplatz, Partnerschaftskonflikte, Sorgen um die Kin-der, eigene körperliche Erkrankungen oder naher Bezugspersonen, der Umgang mit der seelischen Erkrankung, sich wiederholende Konflikte mit anderen Menschen und vieles andere mehr. Eine we-sentliche Aufgabe des Therapeuten in der Gruppe ist es, hier und da ggf. Anstöße zu geben oder zum Nachdenken anzuregen, aber vor allem auch, der Gruppe die Sicherheit zu geben, dass niemand über-fordert oder z. B. einer belastenden Gruppendynamik ausgesetzt wird.

Viele Patienten scheuen zunächst vor einer Gruppentherapie zurück („erstmal lieber Einzel“), dabei erweisen sich Gruppentherapien als sehr wirksame und wichtige Therapieform, wahrscheinlich, über alle Patienten hinweg betrachtet, sogar als wirksamer als eine Einzelpsychotherapie, zumal hier auch Probleme in sozialen Situationen, im Kontakt mit anderen, vielleicht überhaupt erst deutlich wer-den. Schließlich geht es im Leben letztlich meist - zumindest auch - immer um die Beziehung zu ande-ren Menschen, wie ich auf andere wirke, wie kann ich mich durchsetzen oder aber auch abgrenzen, warum gehöre ich nicht dazu, was wird von mir erwartet u. v. m. In der Gruppe können Sie sich Rückmeldungen der anderen Teilnehmer holen, Erfahrungen austauschen und erleben, dass andere auch Probleme haben und nicht alles mal eben wegstecken. Sie können andere Sichtweisen kennen-lernen und erfahren, dass nicht unbedingt alles automatisch so interpretiert werden muss wie Sie es vielleicht tun. Sie können eventuell neue Verhaltensweisen ausprobieren und sicherer im Umgang mit anderen werden. Übrigens können viele Patienten einen Rat oder auch eine Rückmeldung aus der Gruppe besser annehmen als vom Therapeuten in der Einzeltherapie.

In der Gruppe muss letztlich niemand etwas sagen und natürlich müssen Sie von sich nicht mehr er-zählen als es Ihnen recht ist. Allerdings ist der Nutzen in der Regel weit höher, wenn Sie sich mit eige-nen Themen einbringen und/oder auf die der anderen eingehen können. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie es wagen sollten, ein Thema einzubringen, können Sie dies natürlich auch zuvor mit mir bespre-chen.

Sollten Sie unsicher sein, ob eine Gruppentherapie für Sie eine sinnvolle Alternative zu einer Einzel-therapie sein sollte, sprechen Sie Ihren Arzt oder Therapeuten an! Bei Fragen zum Angebot einer Gruppentherapie in meiner Praxis rufen Sie mich einfach an.